Auszeichnung von hervorragenden Vermehrungsbetrieben für Saatgetreide 2026 und 15. gemeinsame Saatgut-Tagung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und des Verbandes Niedersächsischer Saatguterzeuger
Auszeichnung für Niedersachsens beste Saatguterzeuger Vier Vermehrungsbetriebe aus verschiedenen Regionen des Bundeslandes bekommen besonderes Hofschild überreicht
Jarlingen/Bründeln - Die 73. Mitgliederversammlung wurde einerseits maßgeblich geprägt durch die Verabschiedung des langjährigen Vorsitzenden Albrecht Brammer aus Jarlingen, der sich aus familiären und gesundheitlichen Gründen nicht mehr für eine erneute Wahl zur Verfügung stellte.
In dem Jahresbericht wurde zum wiederholten Mal eine Korrektur des gefahrenbasierten Ansatzes zugunsten einer tatsächlichen Risikobewertung bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln gefordert und allgemein eine Europäische Harmonisierung der Anwendungsauflagen für Beizmittel, bzw. die Streichung überzogener Anwendungsauflagen für fungizide Beizmittel. Die Laudatio für den hervorragenden Ackerbauer hielt sein Nachfolger Arnd-Kristian Lauenstein aus Bründeln, der damit in die Fußstapfen seines Vaters Wilhelm tritt, der den VNS-Vorsitz auch über viele Jahre innehatte.
Der anwesende BDS-Vorsitzende Dr. Gerd Schilling ergänzte die Ausführungen aus bundesweiter Sicht.
Südergellersen/Dorstadt/Ebbingen/Steimke – Weiterhin wurden nun bereits zum zwölften Mal vier Betriebe aus verschiedenen Regionen in Niedersachsen für eine besonders erfolgreiche Saatgutvermehrung ausgezeichnet und erhielten ein besonderes Hofschild.
Aus dem Kreis der Selbstaufbereiter wurde die Beecken Dienstleistungs GmbH & Co. KG aus Südergellersen ausgezeichnet, die von den Brüdern Arne und Henning Beecken geführt wird. Ausgezeichnet wurde der Betrieb für die Vermehrung und Aufbereitung von Vorstufen-, Basis- und Z-Saatgut in den Fruchtarten Winterroggen, Wintergerste, Hafer und Sommergerste und zwar auf 304 ha. Vermehrt wird dort bereits seit 1967 und mit der Aufbereitung startete der jetzt noch rüstige Großvater im Jahr 1973. Jüngst wurde eine neue, hochmoderne und große Aufbereitungsanlage in Betrieb genommen.
Für die Vermehrung bei der Bio-Hof Oderwald GbR in Dorstadt zeichnet Betriebsleiter und anteiliger Gesellschafter Helge Buessemaker verantwortlich. Von 105 ha Landwirtschaftlicher Nutzfläche entfallen 35 ha auf die Vermehrung von Winterweizen, Sommerweizen, Spelzweizen und Hafer, die über die VO-Firma Öko-Korn in Betzendorf vermarktet wird. Der Betrieb arbeitet nach den Richtlinien des Anbauverbands Naturland.
Im Betrieb Henric Frerking aus Ebbingen bei Walsrode wird die Vermehrung in zweiter Generation fortgeführt und ist nun dort seit mehr als 30 Jahren beheimatet. Neben 130 ha Ackerfläche und 8 ha Grünland gehören zum Betrieb noch 40 ha Wald. Auf einer Vermehrungsfläche von 56 ha wurden die Fruchtarten Winterweizen, Wintertriticale und Sommergerste angebaut. Daneben wurden noch 25 ha Grassamen von Deutschem Weidelgras erfolgreich vermehrt. VO-Firma ist hier die Hauptsaat in Linsburg. Im kommenden Jahr soll die Ackerfläche durch Zupachtung auf 250 ha vergrößert werden.
Für eine sehr erfolgreiche Gräservermehrung wurde der Betrieb Holger Prüser aus Steimke bei Syke ausgewählt. Auch hier hat die Vermehrung seit den 60-er Jahren eine langjährige Tradition. Auf 21 ha wurden die Grasarten Deutsches Weidelgras, Rotschwingel und Wiesenrispe für die Deutsche Saatveredlung vermehrt. Insgesamt bewirtschaftet der Betrieb 260 ha Landwirtschaftliche Nutzfläche und neben der Gräservermehrung werden auch noch 40 ha Kartoffeln für Speise- und Veredlungszwecke, Zuckerrüben, Winterweizen, Wintergerste und Mais (Biogas) angebaut sowie auf 1.100 Plätzen Mastschweine gehalten.
In der 15. gemeinsamen Vortragstagung gab Dr. Matthias Benke von der Anerkennungsstelle zunächst einen Überblick über die Vermehrungssituation in Niedersachsen und zu Aktuellem aus der Saatenanerkennung. Das Hauptthema der Vortragstagung lautete: „Bestimmung der Keimfähigkeit bei Getreidesaatgut“, was unter Vermarktungsgesichtspunkten/Wettbewerbsfähigkeit außerordentlich bedeutsam ist. - Gibt es Schnellmethoden, die verlässliche Werte liefern? Hier berichtete Jens Varnskühler von der Firma seedalive, Osnabrück. Er stellte exemplarisch vier Schnellmethoden zur Keimprüfung wie die TTZ 2,3,5-, die X ray Röntgenstrahlung-, die NIR HSI Infrarot/Hyperspektral- sowie die RGB-Imaging KI-Methode vor, die aber allesamt entweder zu arbeitsaufwendig oder zu teuer oder zu wenige relevante Untersuchungsparameter berücksichtigen.
Schließlich wurde der von seedalive entwickelte und KI-unterstützte Resazurintest, der auf der Messung der Wasserempfindlichkeit der mit geringsten Mengen mit Resazurin behandelten Samen beruht, näher erläutert. Nach den Ausführungen des Referenten ist dieser Test genau, kostengünstig, schnell, umweltfreundlich und umfasst zahlreiche Parameter und könnte somit z.B. auch für die Einschätzung von DON-Werten (Fusariumbelastung), Malzeignung usw. Anwendung finden. Er ist für die Untersuchung von Samen zahlreicher Fruchtarten aus dem Gramineen- und Gemüsebereich geeignet (nicht für Mais, bestimmte Maisschicht ist durch hohe Protonenakkumulation gekennzeichnet, die in der Messung zu starken pH-Wertabsenkungen und in der Folge unbefriedigenden Ergebnissen führt). Eine ISTA-Anerkennung für die Untersuchung von Anerkennungsproben wird nicht angestrebt dagegen schon eine solche für die Einschätzung der Malzeignung schon. Das Haupteinsatzgebiet zur Keimprüfung von Getreidesaatgut sieht Varnskühler in größeren Firmen der Saatgutbranche, um schnell einen ersten Eindruck des potentiellen Saatgutmaterials zu erhalten.
Dr. Axel Goeritz von der LUFA Nordwest schilderte die einzelnen Schritte in der Saatgutuntersuchung von u.a. Versand/Probeneingang über Besatz- und Reinheitsuntersuchung, Bestimmung der Sortenechtheit, TKG-Ermittlung, Keimprüfung, Keimfähigkeitsauswertung und Ergebnismitteilung. Hier wurden verschiedene technische Möglichkeiten vorgestellt und auch auf ihre Praxistauglichkeit geprüft, teilweise verworfen oder in die Arbeitsabläufe integriert. So befasste sich die Saatgutprüfstelle auch mit verschiedenen Methoden zur Simulation der Keimfähigkeit, wobei betont wurde, dass die dabei ermittelte Lebensfähigkeit nach den ISTA-Rules keinesfalls mit der Keimfähigkeit gleich zusetzen ist. Schließlich konnte die Saatgutprüfstelle durch verschiedene Maßnahmen wie Reduzierung der Vorkühldauer, personelle Verstärkung und Optimierung des Personaleinsatzes bei allen Getreidearten ISTA-konform eine deutliche Reduzierung der Untersuchungsdauer bis zur Ergebnismitteilung auf größtenteils 6-8 Tage im abgelaufenen Jahr erreichen. In diesem Zeitfenster lagen bei Wintergerste 91%, bei Winterweizen 86%, bei Winterrogen 92% und bei Wintertriticale 96 % der Saatgutproben und damit hat Niedersachsen deutschlandweit die Nase vorne, was die Schnelligkeit der Saatgutuntersuchung betrifft.
Preisverleihung „Premium-Vermehrungsbetrieb Saatgut Niedersachsen 2026“ in Hannover (v.l.):
Henrich Meyer zu Vilsendorf, Gerhard Schwetje, Frau Prüser und Ehemann Holger, Henric Frerking, Albrecht Brammer, Daniel Mirschel (VO für Bio-Hof Oderwald), Arnd-Kristian Lauenstein, Arne und Henning Beecken
Wechsel im Vorsitz (v.l.):
Willi Thiel (GF VNS), Arnd-Kristian Lauenstein (neuer Vorsitzender), Albrecht Brammer (verabschiedet), Dr. Gerd Schilling (Vorsitzender BDS)